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Brüggmann' s Schapp -
Keimzelle der Arbeiterbewegung - -Treffpunkt
für SPD und Gewerkschaft - Den alten Schapp darf man aufgrund von
alten Unterlagen als die Keimzelle der SPD und der Gewerkschaft
von Horneburg und Umgebung betrachten. Die nachstehenden Aufschreibungen
weisen darauf hin. Viele Postmoorer haben sich sehr früh der Arbeiterbewegung
angeschlossen. Meines Erachtens
hat der Bau der Unterelbischen Eisenbahn von 1880 bis 1896 und der
hier beschäftigten vielen Arbeiter, die sich in ihrer Freizeit im
alten Schapp trafen, auch mit der Gründung der Arbeiterbewegung
vor Ort zu tun.
Politische Lage Nach dem Ausbruch der Revolution 1848
bildeten sich zahlreiche Arbeitervereine. Hauptforderungen waren
der Zehnstundentag, Unterstützungskassen und die Einführung von
Arbeiternachweisbüros. Im Mai 1849 trat das „Dreiklassenwahlrecht“
in Kraft (Wahlrecht nach Steuerkraft); Frauen hatten überhaupt kein
Wahlrecht. Durch dieses Wahlrecht erhielt noch 1908 zur Wahl des
preußischen Landtages die Konservative Partei bei 354.000 Urwählerstimmen
152 Mandate, die Sozialdemokraten, die es auf stolze 598.000 Urwählerstimmen
brachten, bekamen aber nur 7 Mandate. Erst nach der Revolution von
1918 wurde dieses Wahlrecht abgeschafft und das gleiche, geheime
und freie Wahlrecht eingeführt. Auch Frauen erhielten erstmalig
das Wahlrecht! Arbeiterbewegung
Zur Reichstagswahl fand in Horneburg am 07.01.1877 eine Wahlversammlung statt, auf der der Kandidat Conrad Wode aus Verden sprach. Das Ergebnis der Reichtagswahl 1877, bei der die SPD erheblich zulegen konnte, nahm das Stader Tageblatt zum Anlaß, darauf hinzuweisen, daß Zwangsmaßnahmen gegen die SPD nicht mehr ausreichten, sondern positive Maßnahmen ergriffen werden müßten, damit die Unzufriedenheit der Arbeiter beseitigt werden könnte. Was aber folgte, war zunächst das Gegenteil.
Die soziale Lage Das ländliche Leben in Postmoor war über
die Pionierzeit hinweg von Abhängigkeit und Kärglichkeit gezeichnet;
doch fühlten sich die Postmoorer von jeher in einem gewissen Maße
von sozialer Sicherheit umgeben. Sie taten alles, um frei und unabhängig
zu sein! In der mehrere Generationen umfassenden Großfamilie wurde
die gegenseitige Hilfe für die Kinder, Alten und Kranken noch unkompliziert
praktiziert. Durch enormen Fleiß und Sparsamkeit erlangten die Postmoorer
im Laufe der Jahre einen bescheidenen Wohlstand. Lösung der sozialen Frage Geschehen im Kirchenhause zu Bliedersdorf,
den 14. September 1890. Der
KV (Kirchenvorstand) berieth heute über das Anschreiben des Kirchl.
Landesconsistori vom 26. d. M. betr.: die soziale Frage. „Es
wurde bemerkt, daß auch in hiesiger Gemeinde bei der letzten Reichstagswahl
eine Majorität sozialdemokratischer Stimmzettel abgegeben worden
sei. Von einem etwaigen Nothstande der arbeitenden Klasse in unserer
Gemeinde wäre nicht die Rede, doch werden manche angelockt durch
die Versprechungen der Sozialisten betr. Erleichterung der Steuer-
und Militärlasten - Eigentliche Vereine und Anstalten zum Zwecke
der Wohlthätigkeit sind in der Gemeinde nicht vorhanden und sind
auch wohl schwer ins Leben zu rufen. Vielleicht
könnte jedoch bei Gelegenheit der nächsten Kirchenvisitation eine
Vermehrung der sonntäglichen Gottensdienste erörtert werden.
Am 19.10.1878 wurde im Reichstag das Ausnahmegesetz
gegen Sozialdemokraten beschlossen. Bildung der Arbeiterjugend Johann Jacob Bohlmann *1861, Nachbar und Freund von Heinrich Voigt *1862, trat aktiv für die Weiterbildung der Arbeiter ein; er förderte das Erlernen der Welthilfssprache "Esperanto", die von dem polnischen Arzt Zamenhof 1887 entwickelt wurde. (Alle in der Hitlerzeit -1933/1945- aufgefundenen Esperanto--Bücher wurden u.a. durch die Nazis rücksichtslos auf dem Scheiterhaufebn verbrannt.) Nachrichtlich: Die freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Nachbarsöhnen Voigt und Bohlmann kommen auch in dem Gedicht "Poggenpool" von Voigt zum Ausdruck. Heinrich Voigt hat sich um das Wohl der
Jugend sehr bemüht. Bei vielen Gelegenheiten beschenkte er die Jugendlichen,
wie auch die Älteren mit Büchern. Z. B. ist mir das Büchlein: „Der
Achtstundentag, eine gesundheitliche Forderung“ aus der Reihe der
Arbeiter-Gesundheits-Bibliothek bekannt. Durch Bildung wollte er den verarmten
Bürgern Hilfe durch Selbsthilfe vermitteln. So beschenkte er u.
a. die Volksschule in Bliedersdorf zu Weihnachten 1920 mit 79 ausgesuchten
Büchern und bildete damit den Grundstock für die Schulbibliothek.
Bei einer Bescherung der Postmoorer Kinder,
festgehalten in einem seiner Gedichte, erzählt er uns seine Beweggründe: Bücherbescherung an die Arbeiterjugend Bücher
haben, das macht Freude, |
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